Rauchschwalben in Freising

Rauchschwalben gehören zu den beliebtesten Vögeln, fast jeder kennt sie und freut sich, wenn sie nach einem langen Winter als Boten des Sommers zurückkehren. Sie brüten als Kulturfolger in der Nähe des Menschen, in Ställen auf dem Dorf, in Hauseingängen und Innenhöfen in der Stadt. In Stadt und Land sind sie zu Sorgenkindern des Naturschutzes geworden, wegen der Aufgabe vieler Tierhaltungen, zunehmender Hygieneanforderungen und des Schwundes an Nistplätzen besonders im städtischen Umfeld. So zeigen z.B. langfristige Bestandserhebungen in Stuttgart zwischen 1981 und 2016 einen Rückgang der Rauchschwalben - Brutplätze um ca. 50%.

 

Wie sieht es nun mit Brutplätzen in der Kernstadt Freising und ihren Ortsteilen aus? Diese Frage stellte sich die Gebäudebrütergruppe des LBV Freising und erfasste mit 10 Mitarbeitern die Schwalbenbestände in den Jahren 2018 bis 2020.

 

Vorkommen von Rauchschwalben-Brutplätzen in der Kernstadt und in den Ortsteilen von Freising. Dargestellt ist die Anzahl an Brutplätzen in der Kernstadt (links, vor allem in Durchgängen und Parkgaragen) sowie in den Ortsteilen (rechts, hauptsächlich in Rinder- und Pferdeställen).

 

Zunächst zur Kernstadt: Hier fanden sich insgesamt 30 Brutplätze, davon 8 in Ein- und Durchgängen und unter Arkaden vor allem in der Unteren und Oberen Hauptstrasse. In einigen schwalbenfreundlichen Häusern sind Bretter zur Unterstützung des Nestes und zum Auffangen von Verschmutzungen durch die Jungtiere angebracht. 10 Brutplätze wurden in den großen Parkgaragen notiert. Typisch für die Rauchschwalbe ist in beiden Fällen, dass die Tiere im Innern von Gebäuden brüten, in denen sie ungehindert ein- und ausfliegen können. Die Flugkünste der Tiere sind besonders gut in der Unteren Hauptstrasse zu bewundern, wo sie nach Geschäftsschluss problemlos durch schmiedeeiserne Gitter fliegen, um zum Nest zu gelangen. Schließlich sind 12 Brutplätze auf einem Bauernhof und auf Versuchsgütern mit Rinderhaltung im Westen der Kernstadt zu finden, während andere Stadtteile wenige bis keine Nistplätze aufweisen. In der Regel finden sich nur ein bis zwei Nester pro Haus oder Hof.

Anzahl der Häuser oder Höfe mit Brutplätzen von Rauchschwalben in der Kernstadt und in den umliegenden Ortsteilen. Zu sehen ist, dass im Allgemeinen nur 1 – 2 Höfe pro Ortsteil Nistmöglichkeiten für die Rauchschwalbe bieten (Darstellung mit Google MyMaps).

 

Ein Blick in die Ortsteile Freisings (40 Dörfer, Weiler und Einöden) zeigt den Hauptlebensraum der Tierart. Rund 250 Brutplätze fanden sich in landwirt-schaftlichen Betrieben mit Rinderställen (61 % der Brutplätze) und in Reiterhöfen (31%). Hier sind die Ortsteile Altenhausen, Attaching und Lageltshausen führend, in denen jeweils mehr als 25 Brutplätze gesichtet werden konnten. Im Gegensatz zur Kernstadt waren in Bauernhöfen mit Rinderhaltung Kolo-nien mit einer Durchschnitts-Größe von 9 Brutplätzen zu finden, bei Reiterhöfen sogar von 15 Brutplätzen. Festzuhalten ist aber, dass meistens nur noch 1 bis 2 Bauernhöfe pro Ortsteil existieren, da viele Landwirte die Tierhaltung aufgegeben haben. In Gesprächen mit den Landwirten wurde klar, dass die extrem ortstreuen Tiere zwar noch einige Jahre nach Aufgabe der Tierhaltung in den alten Stall zurückkehren, bei Umnutzung des Stalles sich aber eine Konzentration der Schwalben auf die verbliebenen Höfe mit Tierhaltung vollzieht. Wie in der Stadt sind damit auch in den Ortsteilen die Brutplätze der Rauchschwalbe, hier durch das Höfesterben, gefährdet und die Nistmöglichkeiten auf wenige schwalbenfreundliche Häuser und Höfe beschränkt.

 

 

Gebäudebrüter für Freising und Moosburg

Mauersegler, Schwalben und andere Arten haben sich als „Kulturfolger“ an den Lebensraum Stadt angepasst. Sie entwickelten sich von Baum- und Felshöhlenbrütern zu Gebäudebrütern, die in Nischen und Höhlungen von Dächern (Mauersegler) brüten oder deren Nester innerhalb (Rauchschwalben) oder außerhalb von Gebäuden (Mehlschwalben) angebracht werden.

 

Doch die Spezialisierung auf Brutplätze an und in Gebäuden bringt auch Gefahren. Bei Sanierung oder Neubau können sie ihr Quartier oder ihre Brut verlieren. Neubauten mit fugenlosen Fassaden bieten ihnen keine Möglichkeiten zur „Untermiete“ mehr. Daher brauchen sie den Schutz des Menschen zum Überleben.

 

Seit 2018 untersucht der LBV Freising den Bestand an Mauerseglern sowie Mehl- und Rauchschwalben im Landkreis Freising, um eine Grundlage für den Artenschutz dieser Gebäudebrüter zu schaffen.

 

Inzwischen wurden insgesamt 678 Brutplätze gefunden, davon in den Städten:

 

Anzahl Brutplätze   Mauersegler   Rauchschwalben   Mehlschwalben

Freising                                    209                              28                            46

Moosburg                                  60                              37                            14

Eching                                           8                                7                            52

 

Hauseigentümer können sich nun vor Sanierungsmaßnahmen über vorhandene Brutplätze informieren und sich zu speziellen Anforderungen der drei Arten beraten lassen.

An dem Gebäudebrüter-Projekt haben bislang 15 Mitglieder des LBV und der LBV Hochschulgruppe Freising mitgearbeitet. Das Projekt wird von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Freising gefördert.

Ansprechpartner sind Christian Langebartels und Susanne Liebl.